Strahlentherapie

Die meisten Menschen verknüpfen mit Strahlen etwas Unheimliches oder Bedrohliches. Jeder Strahlentherapeut, der Tumorpatienten behandelt, macht täglich die Erfahrung, dass viele Patienten mit falschen Vorstellungen, oft auch mit Vorurteilen, zur Strahlentherapie kommen. Viel zu wenig ist der Öffentlichkeit dabei bewusst, dass zahllose Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, ihr Leben dieser Behandlung verdanken.

Was ist Strahlentherapie?
In den letzten Jahrzehnten war die Strahlentherapie Gegenstand intensiver Forschung von Medizinern, Biologen und Physikern und erfuhr so eine rasante Weiterentwicklung wie kaum eine andere medizinische Disziplin.
Grundlage der Strahlentherapie ist die Anwendung von Strahlen, also elektromagnetischen Wellen, wie wir sie als Radiowellen, Licht oder in der Röntgendiagnostik als Röntgenstrahlen kennen.
Die Strahlen in der Strahlentherapie unterscheiden sich von den vorgenannten „nur“ in der Energie und Wellenlänge.
Verschiedene Krankheiten erfordern verschiedene Strahlenarten – je nachdem, wo und wie tief der Krankheitsherd im Körper liegt.

Ist die Strahlentherapie schmerzhaft?
Nein. Die Strahlen kann man weder sehen noch hören oder fühlen. Geräusche während der Bestrahlung kommen entweder vom Bestrahlungsgerät oder aus der Umgebung.

Kann man durch die Bestrahlung radioaktiv und damit gefährlich für andere werden?
Nein. Bei der Bestrahlung von außen (perkutan, d.h. durch die Haut) hört die Strahlung mit dem Abschalten des Gerätes auf.

Die typische Bestrahlung erfolgt in mehreren Schritten:

1. Das Aufklärungsgespräch

Vor Beginn der Bestrahlung erfolgt ein und bei Bedarf auch mehrere Aufklärungs- und Informationsgespräche. Dieses Aufklärungsgespräch ist für uns sehr wichtig. Hier erfahren wir, welche Hoffnungen und Erwartungen – vielleicht auch Ängste – Sie mit der anstehenden Strahlentherapie verbinden und ergänzen die uns aus den Vorbehandlungen übermittelten oder von Ihnen mitgebrachten Befunde und Entlassbriefe (z.B. vorherige Chemotherapien oder Strahlentherapien).
Inhalte dieses Aufklärungsgespräches sind unter anderem der Grund für eine Bestrahlung (= Indikation), Informationen über den Krankheitsverlauf mit und ohne Strahlentherapie, mögliche Behandlungsalternativen und vor allem typische oder eher seltene Risiken und Nebenwirkungen.

2. Planung und Simulation

Das Ziel der Strahlentherapie ist eine maximale Vernichtung der Tumorzellen bei optimaler Schonung des gesunden Gewebes. Hier bedarf es einer besonders sorgfältigen und technisch aufwendigen Bestrahlungsplanung.
Hierzu wird häufig eine Computertomographie der Tumorregion angefertigt. Im Anschluss daran werden die geplanten Bestrahlungsfelder auf der Haut markiert. Erst wenn alle Bestrahlungsfelder aus allen Winkeln exakt „passen“, wird das Okay für die Bestrahlung gegeben.

Wozu sind die Markierungen auf der Haut?

Die Bestrahlung muss genau auf den Krankheitsherd gerichtet sein und darf so wenig wie möglich gesundes Gewebe erreichen. Dazu werden die Bestrahlungsgebiete durch Röntgenaufnahmen mit oder ohne Kontrastmittel genau lokalisiert. Diese Feldgrenzen werden dann auf die Haut gezeichnet und dürfen während der Behandlung auf keinen Fall weggewischt werden.

3. Bestrahlung

Die erste Bestrahlung ist für manche Patienten mit heftigem „Lampenfieber“ verbunden. Sie werden jedoch sehr schnell merken, dass nichts Schmerzhaftes oder Bedrohliches geschieht, und Sie können dann die weiteren Sitzungen entspannter absolvieren. Im Verlauf der meist mehrwöchigen Bestrahlungstherapie mit in der Regel 5 Bestrahlungen pro Woche von Montag bis Freitag werden Sie regelmäßig von unseren Medizinisch-technischen Assistentinnen (MTA) und dem/der Sie betreuenden Arzt/Ärztin nach Ihrem Befinden gefragt.

Was wird bestrahlt?

Nach brusterhaltender Operation wird die gesamte Brust einschließlich eines schmalen Streifens der darunter liegenden Brustwand bestrahlt. Häufig folgt im Anschluss noch eine kleine Dosiserhöhung in der ehemaligen Tumorregion selbst.

Nach Brustamputation bestrahlt man gegebenenfalls die operierte Brustwand einschließlich der gesamten Operationsnarbe. Je nach Tumorsitz und -stadium wird auch der Lymphabfluss zur Schlüsselbeingrube, Achselhöhle oder hinter dem Brustbein mitbestrahlt.

Wie lange wird bestrahlt?

Die Planung der Bestrahlung dauert ca. 1 Woche. Die eigentliche Bestrahlung der gesamten Brust bzw. der Brustwand dauert zwischen 3 und circa 6 Wochen, die Dosiserhöhung in der ehemaligen Tumorregion weitere 5 bis 8 Tage. Die genaue Dauer Ihrer Bestrahlungsserie(n) erfahren Sie im Rahmen des Aufklärungsgespräches.

Welche akuten Nebenwirkungen können auftreten?

Akute Nebenwirkungen sind eine Rötung oder zunehmende Trockenheit mit Bräunung der Haut, darüber hinaus kann ein Spannungsgefühl oder eine Schwellung in der bestrahlten Brust auftreten. Diese Nebenwirkungen klingen in wenigen Wochen nach der Bestrahlung wieder ab. Haarausfall tritt nur auf, wenn behaarte Haut im Bestrahlungsfeld liegt.

Was können Sie tun, um die Bestrahlung besser zu vertragen?

Behandeln Sie die bestrahlte Haut schonend. Waschen Sie die bestrahlte Haut nur mit einer parfümfreien Seife, benutzen Sie in der bestrahlten Achselhöhle nur ein parfümfreies und alkoholfreies Deo. Auch bei Juckreiz sollten Sie die bestrahlte Haut nicht kratzen und sie nicht der Sonne aussetzen, verzichten Sie auf Saunabesuche.

Tragen Sie keine harten oder scheuernden Kleidungsstücke auf der Haut, bei großer Brust kann es besser sein, einen BH mit Stützfunktion aber ohne Nähte zu tragen. Kleidung aus Synthetik sollte während der Bestrahlungszeit gemieden werden.

4. Abschluss – und was geschieht nach der Behandlung?

Am Ende der Bestrahlungsserie erfolgen ein Abschlussgespräch und eine Abschlussuntersuchung. Wir überprüfen die Nebenwirkungen der Strahlenbehandlung und besprechen notwendige Verhaltensmaßnahmen und das weitere Vorgehen.
Besonders wichtig ist die Nachsorge bei Ihrem Haus- oder Facharzt.
Da Reaktionen auf die Strahlentherapie auch nach längerer Zeit auftreten können, ist Ihr Strahlentherapeut daran interessiert, Sie in vereinbarten Zeitabständen wiederzusehen. Diese Abstände werden im Laufe der Zeit in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf immer länger.

Welche Spätnebenwirkungen können auftreten?

Spätnebenwirkungen bei erhaltener Brust können in Form einer Verhärtung oder Verziehung der Brust auftreten. Auch kann es zu entzündlichen Veränderungen mit nachfolgender Vernarbung im Bereich eines kleinen Streifens der Lunge kommen, der der Brustwand direkt anliegt und somit nicht geschont werden kann. Sollten Sie binnen 4-12 Wochen nach Abschluss der Bestrahlung Husten oder Luftnot entwickeln, wird aus diesem Grund eine Röntgenkontrolle durchgeführt, um eine frühzeitige Behandlung einzuleiten und zu versuchen, die Vernarbung der Lunge so gering wie möglich zu halten. Ein Lymphödem des Armes oder eine Herzschädigungen sind durch die von uns genutzten neuen Bestrahlungstechniken sehr selten geworden.

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